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Torsten Fink

Der Prinz der Rache

  • Autor:Torsten Fink
  • Titel: Der Prinz der Rache
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Datum:20 Januar 2014
  • Preis:15,00 EUR

 
»Der Prinz der Rache« von Torsten Fink


Besprochen von:
 
Sachmet
Deine Wertung:
(3.5)

 
 
Der junge Viltor Arestus Merson führt ein privilegiertes Leben. Er ist arrogant und sich seiner Position als Sohn eines reichen und erfolgreichen Vaters sicher. Dieses Leben endet jäh, als sein Vater der Hexerei beschuldigt und zum Tode verurteilt wird. Statt mit ihren Kindern in die Verbannung zu gehen, zieht es die Witwe vor, in Xelidor zu bleiben und zu den Vergessenen zu gehen. Diese leben in einem unterirdischen Gefängnis, dort ist jeder Tag ein Kampf ums Überleben. Dame Merson ist sich sicher, dass sie und ihre Kinder nicht lange dort bleiben werden. Sie hofft auf Hilfe von Freunden und auf eine Aufhebung des Urteils.

Doch die Zeit vergeht und sie muss erkennen, dass ihre Familie nun wirklich zu den Vergessenen gehört. Der Adel hat durch den Tod ihres Mannes profitiert, ihr Bruder ist ein erbärmlicher Feigling, der keine Courage hat, das Urteil anzufechten.

Vil wird der Beschützer und Versorger der Familie, das Überleben in den dunklen Verliesen ist ein täglicher grausamer Kampf. Er lernt den schmutzigen Kampf der Diebe und Mörder. Seine erlernten Fähigkeiten in der Fechtschule kommen ihm zu Gute, er hat gute Reflexe aber er muss lernen, jeden Vorteil zu nutzen, sei er noch so unfair.

Bald verbindet ihn eine merkwürdige Freundschaft mit dem jungen Sed, der die Hölle schon seit fünf Jahren überlebt hat. Dieser wird auch eine Art Beschützer für Tuiri, der Schwester von Vil, die eher fähig sich, den Umständen anzupassen als ihr Bruder. Doch Vil erkennt bald, dass seiner Schwester wesentlich größere Gefahr droht als ihm, entwickelt sie sich doch langsam zu einer schönen, jungen Frau.

In seiner Verzweiflung geht Vil den Weg der Toten,
in seinen Augen die einzige Möglichkeit, der Hölle zu entkommen. Die Leichen werden in einen tiefen Schlund geschmissen und dort von unheimlichen Wesen verzehrt. Doch diese Wesen müssen ja von irgendwo her kommen und der junge Mann macht sich auf, dieses Weg zu finden.

Er entkommt der Hölle.
Seine Pläne sind einfach: Seine Schwester retten und furchtbare Rache an allen üben, die seine Familie im Stich gelassen haben. Bald findet er in den Reihen der Diebesgilde Freunde und Unterstützer. Alle, die sich ihm in den Weg stellen, werden eliminiert und langsam aber sicher, erkämpft sich der junge Mann einen Weg an die gesellschaftliche Spitze zurück, unerkannt von den Verrätern an seiner Familie. Auf dem Weg zu seinem Ziel bleibt die Menschlichkeit auf der Strecke und der Preis für die Rache ist höher als erwartet.

Kommentar:

Um es vorweg zu nehmen: Mir hat das Buch nicht gefallen und ich kann dies nicht einmal richtig begründen. Es hat alles, was ein gutes Fantasybuch braucht, angefangen bei dem gut gestalteten Cover bis zu einer spannenden Geschichte mit einem überraschenden Ende. Es teilt sich auf in fünf Abschnitte, die Verhaftung, die Gefangenschaft, die Flucht, die Rettung, die Rache und das Ende.

Doch das Problem ist, dass der Leser Vil nicht mag. Obwohl er ganz unten war hat er kein Mitleid mit den Menschen. Er behandelt seine Freunde wie Untergebene und seine Schwester wie eine Sklavin, gesteht ihr keine eigenen Gedanken, Gefühle und Wünsche zu. Er ist arrogant und eingebildet, sein einziges Ziel ist die Rache. Dabei geht er über Leichen und ordnet alles in seinem Leben diesem Ziel unter. Dadurch gewinnt er den Respekt des Lesers, doch nicht seine Zuneigung.

Weder seine Gefühle gegenüber Tuiri noch gegenüber Skari vermitteln einen Eindruck von Zuneigung und Liebe, eher von Besitz. Ich habe vorher Assassins Creed von Oliver Bowden gelesen. Auch dort geht es darum, den Tod des Vaters und Bruders zu rächen, Ezio wird ebenfalls von Rache getrieben, trotzdem kann er noch Liebe empfinden und er achtet seine Freunde und respektiert ihre Meinung. Nicht so Vil.

Auch bei Edmond Dantes, dem Klassiker über die Rache, leiden die Leser von Beginn an mit dem Protagonisten und stehen auf der Seite des Rächers. Hier jedoch nicht. Man wünscht sich nur, dass es endlich vorbei ist. Es zieht sich irgendwie alles unendlich in die Länge. trotzdem hat man als Leser das Gefühl, es fehle etwas. Vor allem über die Gesegneten erfahren wir viel zu wenig. Warum bleibt Skari bei Vil? Warum lässt sich Nestor auf das Spiel ein? Was treibt Sed an? Warum ist Magie in Xelidor verboten, woanders jedoch nicht? Was hat es mit der Frau von Grimm aus sich und was mit der Magie von Grimm und seiner Nichte?

Ich weiß, dass jeder Autor seine Figuren liebt, ihnen Leben einhaucht und sie lebendig werden lässt. Doch hier vermittelt der Autor uns diese Gefühle nicht. Vil wirkt sehr eindimensional, nur von Rache getrieben. Pek und Gebba sind sich ihrer Stellung bewusst, doch Vil meint immer noch, er sei etwas besseres als seine Freunde. Auch seine Sorge um seine Schwester oder gegenüber Timuli wirkt nicht überzeugend. Man glaubt ihm nicht. Wie bei einem Schauspieler, der seine Rolle schlecht spielt. Es fehlt hier ein schelmisches Aufblitzen, ein Funken Humor wie z.B. bei Ariel Königsmörder.

Allerdings lässt der Autor seinen Protagonisten den Weg der Rache konsequent und kompromisslos gehen. Das katapultiert Torsten Fink auf das NIveau von Andreas Saumweber oder Robert Corvus, die ebenfalls ihre Figuren konsequent, hart und grausam handeln lassen.

Fazit:
Ein etwas unbefriedigendes Buch, bei dem es schwer fällt, eine faire Meinung abzugeben. Es ist sicher nicht schlecht aber es hat mich auch nicht überzeugt. Es sollte sich niemand von dieser Rezension abschrecken lassen. Ich lese seit 30 Jahren Fantasy und habe daher zu viele Vergleichsmöglichkeiten. Für jemanden , der Fantasy nur sporadisch liest, ist dieses Buch sicher absolut geeignet, spannend und unterhaltsam
 
 
 


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