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Moorcock, Michael

Elric Saga 4
Tochter der Traumdiebe

  • Autor:Moorcock, Michael
  • Titel: Tochter der Traumdiebe
  • Serie:Elric Saga 4
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Heyne
  • Datum:00 -
  • Preis:11.00 EUR

 
»Tochter der Traumdiebe« (Elric Saga 4) von Moorcock, Michael


Besprochen von:
 
Carsten Kuhr
Deine Wertung:
(2.5)

 
 
Jemandem, der sich auch nur rudimentär mit Fantasy beschäftigt hat den Namen Michael Moorcock nahebringen zu wollen, hiesse Eulen nach Athen tragen. Jeder, der sich auch nur ein wenig mit Fantasy befasst hat, der kennt die Geschichten um den „Eternal Champion“. In den Protagonisten Corum, Ulric von Bek oder Elric von Melniboné verfolgten wir den endlosen Kampf zwischen den Mächten des Chaos und der Ordnung mit.

In diesem Band, der vom Verlag als DER NEUE ELRIC Roman angepriesen wird, führt der Autor zwei seiner Helden zusammen. Ulric besitzt als letzter Albinoabkömmling seiner alteingesessenen sächsischen Familie das Runenschwert Rabenbrand. Als die Nazis an ihn herantreten, und das mystische Stück für ihre Zwecke missbrauchen wollen weigert sich unser ehrbarer, standfester Adelige den Schlägern der SA und SS das Familienstück zu überlassen. Er wird ins Konzentrationslager deportiert, geschunden und gefoltert. Doch dann übernimmt die Magie des Schwertes und eine zunächst rätselhafte Frau das Heft des Handelns. Es folgt eine Flucht vor seinem verräterischen Vetter in die Tiefe der Erde. Doch auch in den phantastischen Reichen des Erdinneren verfolgt Gaynor zusammen mit hundert SS-Schergen seinen Vetter. Mit der den Nazis eigenen Respektlosigkeit vor Leben und Kultur sucht Gaynor sich zum allmächtigen, unsterblichen Herrscher über das Multiversum aufzuschwingen. Es gelingt ihm den heiligen Gral in Form des Runenstabes an sich zu bringen. Nun benötigt er nur noch zwei magische Schwerter, Rabenbrand und Sturmbringer, dann vermag er die Schöpfung auszuheben. Doch Ulric und Elric, die Inkarnationen des ewigen Helden und die Tochter der Traumdiebin stellen sich dem drohenden Verhängnis.

Der neue Elric Roman offenbart sich uns zunächst einmal durch eine Abwesenheit des Melnibonées. Erst ab der Mitte des Romans tritt unser Albinoherrscher in Erscheinung. Bis dahin verwöhnt uns Moorcock mit einem sehr intensiv recherchierten, differenzierten Bild Deutschlands nach dem ersten Weltkrieg. Wohltuend fiel mit bei der Beschreibung des gebürtigen Engländers insbesondere auf, dass er sich nicht dem blinden Verteufelungen aller Krauts durch viele seiner Landsleute anschliesst, sondern realistisch und differenziert die Deutschen beschreibt. Er geht auf die historischen Gründe (Versailles) ein, die ein Aufkommen von Hitler und dessen Gefolge erst ermöglichten, lässt aber auch die humanistischen und pazifistischen Bestrebungen vieler kriegsmüder Deutscher, die Hitler seine Versprechen für Frieden zu sorgen abnahmen, gelten. Die Person Ulric von Bek legt beredt Zeugnis von dieser Darstellung ab. Wie die meisten der Ewigen Helden ist Ulric kein strahlender, kraftstrotzender Held. Ganz im Gegenteil. Er ist ein eher dem Denken als dem Schwert zugeneigter Philosoph, den die Ereignisse anfänglich förmlich überrollen. Nie kann er sich mit seiner Rolle, die von ihm erwartet an der Seite Elrics aktiv ins Kampfgeschehen einzugreifen richtig anfreunden, immer hinterfragt er den Sinn allen Handelns. Insofern unterscheidet er sich eklatant von seinem Traumdoppelgänger. Elric ist ein Kämpfer dessen Handeln zunächst einmal immer vorwärtsgerichtet ist, ein Mann, der sich bedenkenlos in aussichtslos erscheinende Kämpfe stürzt, nur um diese entgegen aller Wahrscheinlichkeiten für sich zu entscheiden. In Ulrics Vetter Gaynor findet dieser sich eher wieder, als in Ulric selbst.
Der Roman selbst ist, insbesondere im zweiten Teil bestimmt von sehr ausführlichen, manchmal ausufernden philosophischen Betrachtungen und Reflektionen. Dies soll aber beileibe nicht heissen, dass es keine Auseinandersetzungen oder Kämpfe geben würde. Was dem Roman aber meines Erachtens fehlt, um auf der ganzen Linie zu überzeugen, ist ein triumphales Ende. Der Schluss plätschert eher mässig dahin, ohne dass mich das Finale mitriss. Zuviel blieb ungesagt, zu einfach hat es sich Moorcock hier gemacht.
Nicht zu vergessen sei hier abschliessend auch noch die sehr ansprechende Übersetzung von Jürgen Langowski.
 
 
 


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