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David Lozano Garbala

Puerta Oscura 1
Totenreise

  • Autor:David Lozano Garbala
  • Titel: Totenreise
  • Serie:Puerta Oscura 1
  • Genre:Horror
  • Einband:Taschenbuch
  • Verlag:Loewe Verlag
  • Datum:15 Juni 2010
  • Preis:13,90 EUR

 
»Totenreise« (Puerta Oscura 1) von David Lozano Garbala


Besprochen von:
 
D. Eisenhart
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Pascal und sein bester Freund Dominique sind mit Michelle befreundet - und beide ein wenig in sie verliebt. Deswegen steht es außer Frage, dass die beiden mit von der Partie sind, als Michelle sie bittet, sie zu einer Halloween-Party zu begleiten.
Pascal ist im Gegensatz zu Michelle kein Goth und hält nicht viel von Halloween und schon gar nicht von Verkleidungen. Doch damit kommt er nicht durch: Als die drei bei ihrem Gastgeber ankommen, wird Pascal erst mal auf den Speicher verschleppt, wo er sich aus einer riesigen Truhe voller alter Kleidungsstücke ein Last-Minute-Kostüm zusammenstellen soll. Pascal klettert in die Truhe, der Deckel klappt zu und schon nimmt das Schicksal seinen Lauf: Er öffnet die Puerta Oscura - die Pforte, die ins Totenreich führt, und wird zum Wanderer zwischen den Welten. Doch als Pascal die Welt der Toten betritt, durchquert ein grausames Wesen die Pforte in entgegengesetzter Richtung und treibt jetzt sein Unwesen in unserer Welt.
Die Puerta Oscura öffnet sich nur alle hundert Jahre genau um Mitternacht an Halloween. Doch da Pascal die Pforte im richtigen Moment zum ersten Mal geöffnet hat, kann er sie nun jederzeit benutzen. Und das muss er auch, denn er ist der einzige, der das entstandene Ungleichgewicht wieder beseitigen kann.

Dieses Buch war für mich ein wahrer Überraschungshit, nachdem ich in letzter Zeit auf dem Jugendbuch-Sektor immer zu den für mich falschen Bücher gegriffen habe. Es ist definitiv auch für erwachsene Fantasy-Fans lesenswert, da es absolut spannend geschrieben ist und sich auch vieler interessanter Quellen bedient.
So ist die Unterwelt, in die Pascal reisen kann, sehr stark an die griechische Mythologie angelehnt, und es gibt auch einige Anspielungen auf Dantes Göttliche Komödie - Pascals Führerin durch die Unterwelt trägt beispielsweise den klangvollen Namen Beatrice, was sicher kein Zufall ist.

Man darf aber nicht denken, dass D. L. Garbala sein Setting nur aus fremden Quellen zusammengebastelt hat, er bringt auch viel eigenes ein. Besonders gut gefiel mir der Kronosfelsen, der als Übergang zwischen der ersten und der zweiten Ebene des Reiches der Finsternis dient. Wer ihn betritt, erreicht eine Kammer mit sechs Türen. Jede führt in eine andere Zeit, allerdings nur in die dunkelsten Kapitel der menschlichen Geschichte. Wenn man eine Tür geöffnet hat, beginnt die Zeitreise und der Wanderer muss in dieser Dimension wieder eine Tür finden, die ihn in die nächste Epoche führt - solange, bis er den Felsen durchquert und die zweite Ebene der Finsternis erreicht hat.
Die recht kurzen historischen Einschübe auf dem Weg durch den Kronosfelsen haben mir sehr gut gefallen, sie haben dem Plot das gewisse Etwas verliehen.
Zur besonderen Stimmung des Buches haben auch die ober- wie unterirdischen Spaziergänge durch Paris beigetragen, deren Ziel meistens einer der berühmten Friedhöfe (Cimetière Montparnasse, Cimetière de Monmartre und Père Lachaise) war. Der Autor zeigt dem Leser so eine andere Seite von Paris: Nicht die Stadt der Liebe, sondern die morbiden Seiten einer Metropole, fernab von Eiffelturm, Triumphbogen und Champs-Élysées.

Auch wenn der erste Satz meiner Inhaltszusammenfassung für alle Nicht-Romantiker Schlimmes erahnen lässt: Es handelt sich hier nicht um einen Titel aus der Schublade Romantasy, und es entwickelt sich auch keine der aktuell anscheinend obligatorischen Dreiecksbeziehungen. Die zarten Bande zwischen Pascal und Michelle spielen nur ganz am Rande ein Rolle und man muss - zum Glück! - nicht Kapitel für Kapitel die Schwärmereien eines verknallten Teenies im Hormonrausch ertragen.
Die Grundstimmung des Buches ist keinesfalls romantisch, sondern absolut düster, was ja in Verbindung mit einer Reise ins Totenreich eigentlich auch auf der Hand liegt.

Mein persönliches I-Tüpfelchen war das Wesen, das der Unterwelt bei Pascals erstem Besuch entkommt. Es handelt sich natürlich um einen (Un-)Toten, der nun in unserer Welt etwas gegen seinen körperlichen Verfall unternehmen muss. Die einzige Möglichkeit, die Verwesung seines toten Körpers zu bremsen, ist Blut von Lebenden zu trinken. Ganz platt gesagt, handelt es sich also um einen Vampir.
Da es in letzter Zeit Vampire in der Jungendliteratur eigentlich nur noch in der vegetarisch lebenden Existenzform gibt, war es ein echtes Highlight, mal wieder einem richtigen Vampir zu begegnen. Einem grausamen, Blut aus der Schlagader schlürfenden Vampir, der keine Ambitionen hat, sich eine Sterbliche zu angeln, und der den altbekannten, seit jeher für Vampire geltenden Naturgesetzen unterworfen ist. Vielen Dank für diesen gelungenen Antagonisten, Herr Garbala!

Da stellt sich nun die Frage, warum ich ein Buch, bei dem mir alles gefallen hat, und bei dem obendrein alles fehlt, was ich nicht leiden kann, nur mit 4,5 Sternen bewerte.
Die Antwort ist einfach: Es gab ein paar kleinere Stolpersteine in der Geschichte, beispielsweise eine Stelle im Buch, in der Pascal mit seiner verblichenen Begleitung durch die Finsternis wandelt und beide Atemprobleme wegen austretender Gase haben. Und das, obwohl die Dame doch schon seit Jahren nicht mehr atmet (das kann aber natürlich auch durchaus ein Fehler des Übersetzers sein).
Ist das ein Grund bei einem ausnahmslos tollen, unterhaltsamen Buch einen halben Stern abzuziehen? Nein, eigentlich nicht.
Allerdings gibt es noch zwei weitere Bände, die direkt an Puerta Oscura - Totenreise anschließen, nämlich Puerta Oscura - Totengelächter und Puerta Oscura - Totengesang. Und da brauche ich schlicht noch ein wenig Luft nach oben, denn da der Autor einen so fulminanten Auftaktband hingelegt hat, steigert er sich womöglich noch in den beiden Nachfolgebänden.

Wem kann ich also dieses Buch empfehlen? Das Spektrum ist recht groß: Eigentlich allen, die gerne mal ein Jugendbuch lesen, die echte Vampire mögen, die sich für Mythologie interessieren, die sich für düstere Settings begeistern können oder die absolut keine romantische Ader haben.
 
 
 


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