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Carey, Jacqueline

Die Auserwählte 1
Die Geheimnisse des Nachtpalais


 
»Die Geheimnisse des Nachtpalais« (Die Auserwählte 1) von Carey, Jacqueline


Besprochen von:
 
Carsten Kuhr
Deine Wertung:
(4.5)

 
 
Wir sind es ja mittlerweile schon fast gewohnt, dass ein englischsprachiger Fantasy- Roman für seine deutsche Übersetzung in zwei Teile aufgespalten wird. Vorliegender Band aber bildet nur den Auftakt zu einer, in drei deutsche Bände gesplitteten Übersetzung. Die Verlage begründen die Aufteilung oftmals damit, dass die Texte in der Übersetzung wesentlich länger als das Original würden. Die deutsche Sprache ist unstrittige länger, weil komplizierter als das Englische Original. Nachdem der erste Teil des etwas vergrösserten Paperbacks immer noch mit über 400 Seiten aufwartet, kann man dieses Argument diesmal wohl nachvollziehen.

Dieser Roman, zumindest das, was hiervon bislang auf deutsch vorliegt ist ein wenig, nein gewaltig anders, als die gängige tolkienesque Fantasy Kost, die uns zumeist von den Verlagen angeboten wird. Knaur, als ein Verlag, der erst wieder relativ spät, nach einer längeren Pause sein eigenes Fantasy Programm wieder gestartet hat, musste sich neue Autoren ausspähen, waren die Bestseller doch fest an die Konkurrenten gebunden. Neben Neuauflagen erfolgreicher Serien (Donaldson, Tarr. McKiernan, Saberhagen) suchte man unverbrauchte Autoren, die ein wenig anders schrieben als die breite Masse. In Dalkey, Kurland und auch in Carey hat man diese gefunden. Wir befinden uns in Europa, einem Europa aber, das sich so ganz anders präsentiert, als unsere Geschichtslehrer und dies vermittelt haben. In Terre D' Angle verehren die Menschen nach wie vor den dort aufgetauchten menschgewordenen Messias und seine Jünger. Es existieren 13 Häuser, die es sich zur Aufgabe gemacht haben die Götter mit ihren freiwilligen Liebesdiensten zu ehren. Phèdre, unsere Erzählerin wird mit einem scheinbaren Makel geboren. In ihrem Auge findet sich ein roter Sprengsel - ein Zeichen, dass die Götter sie als masochistische Liebes-Dienerin gezeichnet haben. Delaunay, ein mysteriöser Edelmann nimmt sie in seinen Haushalt auf, und bildet sie zur Spionin aus. Wer könnte ihren hormongeplagten Peinigern besser deren bestgehütetsten Geheimnisse entlocken, als die bezaubernde junge Frau?
Langsam, fast zögerlich offenbart sich im Verlauf des Bandes eine gigantische Intrige. Während zunächst sehr ausführliche, ja langatmige und damit auf mich langweilig wirkende Beschreibungen von barocken Kleidern und Einrichtungsgegenständen breiten Raum einnahmen, nimmt das Tempo zum Schluss des Romans hin deutlich zu. Dabei wirkt der Text in den mannigfaltigen Szenen sexueller Ausschweifungen nie pornographisch. Nicht etwa gewalttätige Auseinandersetzungen und gefährliche Abenteuer stehen im Mittelpunkt der Erzählung, sondern ein Thriller-ähnliches Geheimnis, das sich quälend langsam vor unseren Augen offenbart. Menschen kommen um, doch deren Tod und die Art und Weise ihres unnatürlichen Ablebens steht nie im Mittelpunkt des Geschehens, wir konzentrieren uns mehr auf das Warum und Wer und die direkten und langfristigen Folgen des Verbrechens. Hätte John Le Carré einen Fantasy Roman geschrieben, dann könnte er, mit Abstrichen was die ausführliche Schilderung von Bekleidungsstücken anbelangt, so aussehen. Warten wir, was die restlichen zwei Titel, die hoffentlich nicht allzu lange auf sich warten lassen werden, für uns bereithalten.
 
 
 


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