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Bernhard Trecksel

Nebelmacher

  • Autor:Bernhard Trecksel
  • Titel: Nebelmacher
  • Serie:
  • Genre:Fantasy
  • Einband:Paperback
  • Verlag:Blanvalet Taschenbuch Verlag
  • Datum:22 Juni 2015
  • Preis:13,99 EUR

 
»Nebelmacher« von Bernhard Trecksel


Besprochen von:
 
NannyOgg
Deine Wertung:
(3)

 
 
Nach dem Krieg der Fünf, in dem sich fünf Erzmagi mit Hilfe mächtiger Titanen gegenseitig bekämpft haben, hat sich die Welt verändert: Die Landschaft besteht hauptsächlich aus verkarsteten Wüsten und Felsen und über allem hängt ständig ein dichter Nebel, der für die meisten Menschen giftig ist. Nur die Barbaren können in diesem Nebel überleben, aber das Leben in der Wildnis ist hart und geprägt von Kämpfen zwischen den Stämmen um die knappen Ressourcen. Diejenigen Menschen, denen der Nebel schadet, leben verteilt auf fünf Städte, die von Nebelschilden der Arkanistengilde umgeben sind und dicke Schutzmauern haben. Auf Reisen, um Handel zu treiben, werden Nebelsteine benötigt, die Schutz vor dem Nebel bieten. Echte Magie ist dagegen seit dem Krieg der Fünf verboten.

Der Assassine Clach, auch Totenkaiser genannt, ist ein Nebelmacher, der im Auftrag der Todesgöttin tötet und die Seelen anschließend vernichtet. Als er erfährt, dass seine letzten Aufträge nicht von der Todesgöttin genehmigt wurden, beginnt er, Fragen zu stellen. Dies gefällt den Verantwortlichen jedoch gar nicht, haben sie doch noch Großes vor. Und so hetzen sie ihrerseits Mörder auf ihn.

Fennek Greskegard, ein Inquisitor, ist schon seit zehn Jahren auf der Jagd nach dem Totenkaiser. Seine Jagd ist zur Bessenheit und seinem einzigen Lebensziel geworden. Um Clach zu fangen, ist er bereit, über Leichen zu gehen. Endlich ist er seinem Ziel ganz nah, da erfährt er, dass auch andere Clach nach dem Leben trachten. Aber es darf nicht geschehen, dass ein anderer Jäger schneller ist als er.

Der Nebeljäger Ormgair Steinviper ist ein alter Barbar vom Stamm der Tanleigh, der einen schrecklichen Fehler begangen hat. Auf Rache aus und im Auftrag eines geheimnisvollen Fremden, den er in einer Vision getroffen hat, macht er sich auf in die Welt der Städter.

Morven, Tochter des Archonten einer der fünf Städte und Templerin des Lichtfürsten, versagt bei ihrem Auftrag, einen Mann zu beschützen. Von Verzweiflung und Rache getrieben, macht sie sich auf den Weg, die Mörder zu finden.

Während Clach, Greskegard, Ormgair und Morven jeder mit seinen eigenen Zielen in der Stadt Fomor eintreffen, breitet sich dort ein neuer, unheimlicher Kult aus. Die Toten stehen wieder auf und es gibt nur wenige Menschen, die sich daran erinnern.

Kommentar:
„Nebelmacher“ ist der erste Band einer Trilogie und das Erstlingswerk des Autors. Jedes Kapitel ist aus der Sicht eines der vier Protagonisten geschrieben. Erst mit der Zeit erfährt der Leser, wie die vier miteinander verknüpft sind, wer die Jäger und wer die Gejagten sind.

Der Weltenentwurf des Autors ist interessant, aber finster und bedrückend; die Welt ist karg und trostlos, die Menschen überleben mehr, als dass sie leben. Die Entstehung dieser Nebelwelt wird in kurzen Passagen am Anfang der einzelnen Kapitel beschrieben. Diese kurzen Passagen haben mir am besten gefallen, sie geben der eigentlichen Handlung ihren Rahmen und lesen sich sehr gut. Der Leser erfährt erst nach und nach die Hintergründe, sodass sich auch die Beweggründe der einzelnen Protagonisten immer besser erschließen lassen. Die einzelnen Kapitel haben ein hohes Tempo und sind sehr spannend. Die Atmosphäre ist, schon durch den ständigen Nebel, sehr düster und nimmt den Leser mit in diese Welt ohne Sonnenschein.

Der Schwerpunkt der Handlung liegt allerdings auf den Kämpfen, in die die einzelnen Protagonisten ständig verwickelt werden, einschließlich Gefangennahme und Folter. Dabei wird das Sterben und das Zufügen von Schmerzen detailliert beschrieben – für mich war es oftmals zu detailliert. Der Autor schreckt auch nicht davor zurück, Unschuldige, die einfach zur falschen Zeit am falschen Ort sind, auf schmerzhaften Wegen in den Tod zu schicken. Da der Großteil des Buches von Gewalt handelt, sind Wiederholungen in den Beschreibungen wahrscheinlich unvermeidlich; einige davon waren trotz allem störend, wie zum Beispiel die Vorliebe des Autors, Augäpfel immer wieder auf verschiedenste Weisen zu zerstören.

Auch wenn die Geschichte durch die vielen Kämpfe vorangetrieben wird, habe ich Kapitel vermisst, in denen die Protagonisten eine Atempause haben, in einer Kneipe sitzen, von ihrem Leben erzählen und der Leser dadurch mehr über ihren Charakter und die Welt, in der sie leben erfährt. Es fehlen Dialoge und detaillierte Beschreibungen, die dem Leser die Charaktere näher bringen.

Wie in der Welt der Fantasy inzwischen üblich, gibt es auch hier keinen strahlenden Helden. Die Protagonisten sind gebrochene Figuren, jeder hat seine Fehler und Schwächen: Clach ist ein Mann ohne Moral, Greskegard ist ein Besessener und erinnert an Ahab, der den Weißen Wal gejagt hat, Ormgair ist getrieben von seiner Rache und Morven zweifelt an sich selbst. Allerdings bleiben die Charaktere die gesamte Geschichte hindurch blass, ohne Tiefe; sie sind unsympathisch, oftmals skrupellos und teilweise ohne Moral, Töten ist für sie das einzige, was zählt. Der einzige Protagonist, der mir gefallen hat, war Ormgair, der Barbar.

Sehr schwer getan habe ich mich mit der Sprache. Sie ist stellenweise übertrieben blumig und bildhaft und wirkt dadurch teilweise auch unfreiwillig komisch. Da hat der Nebel die Konsistenz taubedeckter Spinnenweben, eine Gejagte hechelt wie ein Straßenköter mit Schwindsucht oder Lippen sind geplatzt wie verkochte Würste. Ich hatte das Gefühl, der Autor versucht zwanghaft, besondere Ausdrücke einzubauen. Dabei hat er es gar nicht nötig. Dass er die Sprache beherrscht, ist in den Passagen vor den einzelnen Kapiteln ersichtlich und auch im letzten Satz des Buches vor dem Epilog: Hier ist die Sprache poetisch, sie nimmt den Leser mit und zeichnet eine zwar grausame aber trotz allem faszinierende Welt.

Fazit:
Das Buch hat mir aufgrund der exzessiven Beschreibung von Gewalt sowie der Sprache nicht so sehr gefallen, diese Meinung ist aber subjektiv. Wer sich durch die Brutalität nicht abschrecken lässt und wem die manchmal blumige Sprache nichts ausmacht, kann ruhig zugreifen; das Buch ist spannend, temporeich und die Welt, die der Autor beschreibt, ist interessant.[u]
 
 
 


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